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Ein bißchen lustig ...
... war es schon, daß drei Schwelmer Autofahrer gestern noch versuchten, einen Autokorso in der Stadt zu simulieren bzw. in die Gänge zu bringen. Sie fuhren mindestens eine Stunde laut hupend durch die Gegend, aber nirgendwo stand jemand zum feiern. Einsam drehten sie ihre Runden und wurden nur beim Vorüberfahren an der Fußballkneipe im Eckhaus der Straße von einer ebenfalls einsamen Vuvuzela-Deppentröte begrüßt.
Das war dann wohl der letzte verzweifelte Versuch, sich einen Sieg schön zu reden. Überhaupt sind nach dem Verlust jeglicher Weltmeisterhoffnung schlagartig im Lande die gezeigten Fähnchen und Fahnen weniger geworden. Endlich fliegen auf der Autobahn keine Plastikstäbe mit Stoff durch die Gegend und endlich machen auch die hochwehenden Fahnen von der Motorhaube keine Angst mehr vor Unfällen.
Es ist schon peinlich, dass der deutsche Nationalstolz vom Sieg der nationalen Fußballmannschaft abhängig ist. Schnell verkriechen sich die Deutschen wieder in ihr Schamesloch, sobald keiner mehr "Sieg" brüllt. Kennen wir ja schon, das Ganze.
Was jetzt folgt, ist das Verräumen der schwarzrotgoldenen Ware aus den Ramschläden und die Umfunktionierung der Vuvuzelas zu Blumenvasen. Vielleicht sollte man die schwarzrotgoldenen Stoffstreifen einfach um rot und gold verringern und die schwarzen Trauerfähnchen verkaufen. Das stünde dem Volke doch traditionell gut zu Gesichte.
Einzig die Tatsache, nicht Weltmeister zu sein, lässt das Fußballvolk und seine Trabanten wieder in der Versenkung verschwinden. Weg ist er, der temporäre Stolz auf einen Trainer, eine Mannschaft, ein Land, eine Fahne, eine Hymne. Immer nur abhängig gewesen von einem Sieg.
Peinlich.
Nationalfeiertag
Heute begehen die Amerikaner ihren Nationalfeiertag. So richtig dolle mit allem drum und dran.
Ebenso feiern an ihrem Tag der Gründung die Schweizer mit Flaggen und allem, was dazu gehört. Und viel andere Länder ebenfalls.
Und wir Deutschen?
Wir wissen nicht, wann die Bundesrepublik Deutschland gegründet wurde, nehmen noch nicht einmal die stille Beflaggung der öffentlichen Gebäude wahr und zeigen nur dann schwarzrotgold, wenn wir im Siegestaumel einer Fußballweltmeisterschaft sind.
Ich bin dafür, daß der Bundesadler in der deutschen Flagge durch einen FIFA-Fußball ersetzt wird. Das wäre wenigstens ehrlich.
Ob wir dann auch am 23. Mai auf der Straße stehen, Fähnchen schwingen und die Geschäfte schließen würden, bleibt jedoch eher im Bereich des Unwahrscheinlichen.


