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Publikumswirksam die Verlogenheit versteckt

Da wurde gestern gestreikt. Die öffentlichen Verkehrsbetriebe wurden bestreikt und die Gewerkschaft hatte dazu aufgerufen. Alles mit viel Presse, Fernsehteams vor dem Bahnhof und mit Demonstrationen für mehr Lohn.

Die Bevölkerung nimmt es gelassen, man arrangiert sich oder sagt Termine ab. Es wird ja nur einen Tag gestreikt und man kennt ja diese Verhandlungsshows zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften. Inzwischen weiß man ja, wie das so läuft. Eben publikumswirksam.

Was die meisten Menschen jedoch nicht wissen, weil es gezielt verschwiegen wird, ist die Tatsache, daß eben diese Gewerkschaften ganz klammheimlich Vereinbarungen und Tarifverträge abgeschlossen haben, die den ärmsten Berufsgruppen einen tariflich abgesegneten Hungerlohn von 5,50 € brutto die Stunde zusichern. Betroffen sind zum Beispiel die Menschen, die am Fließband stehen und unsere Bestellungen verpacken. Diese Gewerkschaften, die mit lauten Gepfeife und Getrommel nach 5,5 Prozent mehr Lohn für den Öffentlichen Dienst lärmen, genau diese Gewerkschaften haben zum Beispiel den bestzahlendsten Tarifvertrag der Zeitarbeitsfirmen stillschweigend vorangetrieben und abgesegnet. Hier verdient ein Arbeiter als Helfer brutto 7,53 € die Stunde.

Rechnen wir uns das mal schön hoch, dann stellen wir fest, daß jemand in Vollzeit dann im durchschnittlichen Monat 1.305,20 € brutto verdient. Was bei einem Ledigen mit ein bißchen Glück 1.000 € netto ausmachen kann. Sein durchschnittlicher Hartz IV-Satz wäre nur grad mal 200 € niedriger. Dafür müßte er dann aber auch nicht mehr zur Arbeit fahren und seine Kleidung täglich waschen. Wie gesagt, das sind die Spitzenlöhne unter den Helferlöhnen der Zeitarbeitsfirmen.

Mehr verdienen nur wenige Menschen, die in diesen Tarifverträgen gefangen sind. Im Moment werden für Arbeiten in Callcentern 6,50 € brutto die Stunde bezahlt und manchmal gibt es dafür auch noch pro Tag die Verlockung von 4 € Verpflegungsgeld (das nach 3 Monaten versteuert werden muß, was aber niemand sagt). Auch hier sind diese Verträge von den Gewerkschaften abgesegnet.

Die Verlogenheit, sich für die publikumswirksamste Berufsgruppe großartig einzusetzen und hinterrücks die anderen Berufe zu Armutsbegründern zu machen, stinkt mir gewaltig. Die Gewerkschafter beweihräuchern sich selbst mit dieser Taktik und füttern sich vor Allem auch selbst, denn auch ihre Löhne steigen dadurch beständig, während ausgerechnet diejenigen, die sie am nötigsten hätten, von ihnen behandelt werden wie der Dreck unter ihren Füßen.

Ich meine, daß die heutigen Gewerkschaften ihr Ziel massiv verfehlen. Sie ruhen sich zugunsten ihrer fetten Brieftaschen auf den Schultern derer aus, die ihre Existenz begründet haben. Es wird in den Medien nur noch das dargestellt, was ihre Existenz rechtfertigen soll und in Wahrheit wird gegenüber den Krise spielenden Arbeitgebern gebuckelt was nur geht.

Ich will den Sinn von Gewerkschaften nicht in Abrede stellen. Doch momentan sind für mich diese Menschen Verräter an den Arbeitern und bezahlte Arbeitgeberknechte.


05.02.2010, 06:06 Uhr von CeKaDo
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Kommentare


Weißt du worüber ich bei derartigen Berechnungen auch immer noch stolpere? 1.300 Euro brutto waren mal 2.600 DM. Das waren ehemdem ca. 1.800 DM netto, und davon konnte man gut leben.

Soooo lange ist das ja nicht her, nur irgendwie reichen 1000 Euros nirgends mehr hin, obwohl ja nichts teurer wurde.

Und nette Einfälle der Regierung wie die Zusatzabgabe für die Krankenkasse, belasten diese Niedriglohngruppen noch viel mehr. Wenn dann noch eine größere Reperatur beim Zahnarzt fällig wird z.B. - viel Vergnügen.

Nicht arbeiten weil es sich nicht lohnt ist keine Lösung, aber wo das noch enden soll... ich weiß es nicht.

Liebe Grüße

Bine

Wollbiene Wollbiene - 05.02.2010 - 06:37
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Ich werde nach TVÖD bezahlt und muss sagen, dass das hinten und vorne nicht reicht. Fies allerdings ist, dass ich gar nicht im Öffentlichen Dienst beschäftigt bin. D.h., dass ich nichts von den Vorteilen des Öffentlichen Dienstes habe, dafür aber unter den Nachteilen der privaten Wirtschaft leiden darf. Weil mir das Hemd näher als die Jacke ist, kann ich die Forderung nach 5 Prozent Lohnerhöhung nur unterstützen.

Das Problem mit den Gewerkschaften sehe ich ganz woanders. Die Besitzenden haben den "normalen" Arbeiterinnen und Arbeitern über Jahrzehnte erzählt, dass sie jetzt keine Arbeiter mehr sind, sonderrn Angestellte. Arbeiter zu sein ist schmutzig, Angestellter zu sein ist toll. Und ein Angestellter ist natürlich nicht in der Gewerkschaft, weil er sich dafür zu fein ist. Entsprechend gehen den Gewerkschaften die Mitglieder aus und Forderungen können nur noch da gestellt werden, wo tatsächlich noch das eine oder andere Mitglied zu finden ist.

Das Problem sind also nicht die Gewerkschaften ansich, sondern es sind die Arbeitnehmer, die sich nicht organisieren. Dass die "Wichtigen" in den Gewerkschaften allerdings so viel Geld verdienen, ist durchaus eine Frechheit. Aber auch das ließe sich ändern, wenn die Mitglieder sich dagegen wehren würden. Machen sie aber nicht, weil das ja Kraft, Energie und Zeit kosten würde.

Billiglöhne, wie du sie hier beschreibst, gehören verboten. Sinnvolle Mindestlöhne sind im derzeitigen System absolut unverzichtbar. Aber leider hat auch hier die Gesellschaft Angst davor, dass das ein Eingriff in die Freie Marktwirtschaft sein könnte. Und diese Kuh ist ja nun leider heilig. Also finanzieren wir kleinen Leute die Autoindustrie und den Bau von Straßen, die wir nicht brauchen. Dazu verteidigen wir mit viel Geld unsere Freiheit in sinnlosen Kriegen am Ende der Welt. Wieviel Gewinn für das Geschäftsjahr 2009 hat die Deutsche Bank gestern vermeldet? Es ist genug für alle da, es wird nur falsch verteilt.

LG M (homo ludens)

homo ludens homo ludens - 05.02.2010 - 07:54
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Interessanter Text, ich habe mir erlaubt (ich hoffe ich darf das?) diesen komplett auf meinem Blog wiederzugeben. Natürlich mit Quellenangabe!

PS. hast du noch andere Captcha Grafiken? Die sind kaum zu lesen ...

psychoMUELL psychoMUELL - 05.02.2010 - 08:31
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Wenn man Gewerkschaftsfunktionäre auf diesen Tatbestand anspricht sagen sie nur, dass in diesen Fällen nicht mehr zu holen gewesen wäre. Deine Wut ist für mich absolut nachvollziehbar. Allerdings weiß ich nicht, welche Interessenvertretung an die Stelle der Gewerkschaften treten könnte und ob wir ohne Gewerkschaften (zukünftig) auskommen würden. Gewisse Mechanismen zu erkennen ist ja noch kein Hinweis darauf, welche anderen, besseren Lösungen es geben könnte.

ap ap - 05.02.2010 - 08:58
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Die Gewerkschaften müssten sich nur zurückbesinnen, auf ihre Anfänge!

psychoMUELL psychoMUELL - 05.02.2010 - 09:21
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Das gestrige und heutige Thema, von dir, eine interessante Erkenntnis und heikle Themen, die aber durchaus leider der Wahrheit entsprechen.

Ja, so sieht es in unserem wohlgepriesenen Deutschland, leider aus. Ausbeutung hoch drei, damit sich andere die goldene Nase verdienen.

menzeline menzeline - 05.02.2010 - 13:31
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@ M.: Es geht (wie immer) um Macht, die Machtgier dazu und damit auch um Geld. Und leider auch um die Ohnmacht derer, die es betrifft. In den Bergwerken der letzten Jahrhunderte waren GEwerkschaften notwendig und haben auch etwas bewirkt. Heute geht es um Pfründe, die gesichert werden sollen.

@ ap: Ausreden gibt es genug. Und es wäre genug herauszuholen gewesen, denn ich kenne auch die Rechnungssätze für eben diese Stunden. Wir können sicher nicht ohne Arbeitnehmervertretungen auskommen. Doch wir können auch auf DIESE Vertreter verzichten, ohne uns zu schaden.

@ psychoMUELL: Captcha ist geändert.

Und ja, "back to the roots" für die Gewerkschaften. Damals verdienten sie ebenfalls nicht mehr als ihre Vertretenen. Im Gegenteil, sie waren auf das angewiesen, was in die Spendenkasse kam. Waren sie gut, gab es viel - waren sie schlecht, hungerten sie mit ihren Kollegen.
@ menzeline: Ja, ab und an habe ich auch mal etwas Bissiges anzufassen wink

CeKaDo CeKaDo - 05.02.2010 - 16:27
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Danke, Captcha ist wieder leicht entzifferbar!

psychoMUELL psychoMUELL - 05.02.2010 - 17:44
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Oh ja, mit dieser tollen Gewerkschaft hatte meine Berufsgruppe auch "kurzfristig" zu tun.
Unser Stundenlohn beträgt 4,54€ plus Zuschläge: Nacht - 5%, Sonntags - 35%, Feiertags - 80%.
Um halbwegs über die Runden zu kommen und sich nicht in das Heer der ALGII -Empfänger einzureihen macht man durchschnittlich 230 Stunden pro Monat.
Das reicht um laufende Kosten zu decken. Für mehr nicht. Und es darf nichts kaputt gehen oder eine außergewöhnliche Belastung dazukommen.
Die Supergewerkschaft hat vor ca. einem Jahr von den Arbeitgebern die Erhöhung auf 7,50€ gefordert. Diese sagten natürlich, daß das nicht möglich sei aber man bereit ist uns entgegen zu kommen.
Daraufhin schaltete die Gewerkschaft auf stur und sagte unter 7,50€ läuft nichts.
Das wars. Nie wieder was gehört oder gesehen.
Wir als Angestellte wären schon über eine Erhöhung auf 6,00€ die Stunde. Erstmal.
Aber so läßt man uns weiter für 4,54€ strampeln.

LG
Tidora

Tidora Tidora - 07.02.2010 - 13:14
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