Rahmenvertrag von Rolls-Royce Power Systems mit Overmarine erweitert Zusammenarbeit um integrierte Brückensysteme
Rolls-Royce Power Systems hat seine langjährige Zusammenarbeit mit dem italienischen Yachtbauer Overmarine auf eine neue Stufe gehoben. Ein bis 2029 laufender Rahmenvertrag umfasst nicht nur die Lieferung von 64 mtu-Motoren der Baureihe 2000, sondern erstmals auch die Integration der Yachtbrückenlösung mtu NautIQ Bridge. Für das Unternehmen aus Friedrichshafen bedeutet der Auftrag mehr als ein weiteres Liefergeschäft. Er unterstreicht die strategische Ausrichtung, komplette Systeme für die Schifffahrt anzubieten und sich damit stärker im Premiumsegment zu positionieren.
Overmarine gehört seit vielen Jahren zu den Kunden von Rolls-Royce Power Systems. Nahezu die gesamte Yachtflotte des Herstellers wird von mtu-Motoren angetrieben. Mit dem neuen Vertrag wird diese Partnerschaft nun deutlich ausgeweitet. Insgesamt sollen 30 Antriebssysteme mit 64 Motoren der Typen 12V 2000 und 16V 2000 geliefert werden. Darunter befinden sich auch Anlagen mit vier Motoren pro Yacht.
Von einzelnen Komponenten zum Gesamtsystem
Die Besonderheit des neuen Abkommens liegt jedoch nicht allein im Umfang der Motorenlieferungen. Erstmals wird die Brückenlösung mtu NautIQ Bridge in die Yachtlinie Mangusta Oceano 52 integriert. Damit rückt Rolls-Royce Power Systems von der Rolle des reinen Antriebslieferanten noch stärker in Richtung Systemanbieter.
Die NautIQ Bridge verbindet die Steuerung der Yacht mit dem Energiemanagement und den Antriebssystemen. Hard- und Software sind dabei aufeinander abgestimmt und ermöglichen eine zentrale Bedienung der wesentlichen Funktionen an Bord. Für Werften und Eigner soll dies die Übersicht verbessern und den Betrieb effizienter gestalten.
Gianluca Bononi, Geschäftsführer von Rolls-Royce Power Systems in Italien, sieht darin einen wichtigen Schritt für beide Unternehmen. „Yachthersteller wollen vor allem eins: ein System, das den Betrieb an Bord vereinfacht. Overmarine vertraut seit Jahren auf unsere mtu-Motoren – und mit unserem Ansatz, die Yacht als ein durchgängiges System zu denken, machen wir gemeinsam den nächsten Schritt. Die enge Abstimmung mit den Teams von Overmarine stellt sicher, dass Antrieb, Automation und technisches Design präzise ineinandergreifen und die Yachten effizienter und komfortabler werden.“
Auch bei Overmarine wird die engere Verzahnung von Steuerung und Antrieb als Vorteil gesehen. CEO Maurizio Balducci betont die langjährige Zusammenarbeit beider Unternehmen: „Unsere Mangusta-Oceano-Modelle brauchen Antriebe, die zuverlässig laufen und exakt zum Schiff passen. Rolls-Royce Power Systems liefert sie uns seit Jahren. Mit dem neuen Rahmenvertrag rücken Steuerung und Antrieb nun noch enger zusammen – das vereinfacht den Bau und steigert den Komfort für unsere Eigner.“
Strategie für die vernetzte Schifffahrt
Der Auftrag fügt sich in die Marine-Strategie von Rolls-Royce Power Systems ein. Unter dem Leitgedanken „From Bridge to Propeller“ verfolgt das Unternehmen das Ziel, den Schiffsbetrieb als zusammenhängendes System zu betrachten. Statt einzelne Komponenten zu liefern, sollen Antriebstechnik, Automationslösungen und Energiemanagement zu einer integrierten Plattform zusammengeführt werden.
Für Werften reduziert dieser Ansatz die Komplexität bei Planung und Integration. Da zentrale Systeme aus einer Hand stammen, sinkt der Abstimmungsaufwand zwischen unterschiedlichen Zulieferern. Gleichzeitig sollen technische Schnittstellen vereinfacht und potenzielle Integrationsrisiken verringert werden.
Darüber hinaus eröffnet die stärkere Digitalisierung neue Möglichkeiten beim Betrieb der Schiffe. Die Verbindung von Antrieb, Automatisierung und Brückensystemen schafft eine einheitliche technische Umgebung. Dadurch lassen sich Energieflüsse gezielter steuern und Betriebsabläufe effizienter organisieren. Rolls-Royce Power Systems sieht darin einen wichtigen Baustein für eine moderne und zunehmend vernetzte Schifffahrt.
Bedeutung für den Standort Friedrichshafen
Für Rolls-Royce Power Systems kommt der neue Auftrag in einer Phase, in der das Unternehmen seine Position in verschiedenen Kernmärkten weiter ausbaut. Unter der Führung von CEO Jörg Stratmann verfolgt der Friedrichshafener Antriebs- und Energiespezialist das Ziel, sich zunehmend als Anbieter integrierter Lösungen zu etablieren. Neben klassischen Antriebssystemen gewinnen digitale Anwendungen, Energiemanagement und komplette Systemlösungen dabei an Bedeutung.
Der Vertrag mit Overmarine zeigt, dass diese Strategie auch im Yachtsegment auf Resonanz stößt. Die Kombination aus Motorentechnik und Brückensystemen eröffnet zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten und schafft Potenzial für weitere Projekte innerhalb der verschiedenen Bootslinien des italienischen Herstellers.
Geschäft über den gesamten Lebenszyklus
Für Rolls-Royce Power Systems endet die Zusammenarbeit nicht mit der Auslieferung der Technik. Das Unternehmen begleitet seine Kunden über den gesamten Lebenszyklus der Schiffe hinweg. Dazu gehören Wartungsangebote, die Unterstützung durch das weltweite mtu-Servicenetzwerk sowie Modernisierungskonzepte für bestehende Yachten.
Gerade im Premiumsegment spielt die langfristige Verfügbarkeit von Serviceleistungen eine wichtige Rolle. Eigner und Werften erwarten hohe Betriebssicherheit und kurze Reaktionszeiten bei technischen Fragen. Mit seinem internationalen Netzwerk will Rolls-Royce Power Systems diese Anforderungen erfüllen und die Bindung zu seinen Kunden weiter stärken.
Der neue Rahmenvertrag mit Overmarine steht damit exemplarisch für die Entwicklung des Unternehmens. Statt ausschließlich Motoren zu liefern, rückt die Bereitstellung integrierter Gesamtlösungen zunehmend in den Mittelpunkt. Für Rolls-Royce Power Systems ist dies ein weiterer Schritt, die eigene Marktposition im Yachtbau auszubauen und die strategische Ausrichtung auf vernetzte Systeme voranzutreiben.

- Initiator und verantwortlicher Redakteur von tagesblog.de
- Kommunikationswissenschaftler, Journalist
- Jahrgang 1976
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