Unternehmertum beginnt früh: Lars Nikolai Stevenson im Gespräch

Lars Nikolai Stevenson beschreibt sich selbst als Experte für Anfänge. Seine unternehmerische Laufbahn begann früh – nicht mit klassischen Businessplänen, sondern mit Neugier, Technikbegeisterung und ersten eigenen Projekten. Im Gespräch erzählt Stevenson von seinen Wurzeln, prägenden Erfahrungen und davon, warum ihn bis heute vor allem die Anfangsphase eines Unternehmens interessiert.

Herkunft und kulturelle Prägung

Herr Stevenson, Ihr Name klingt nicht typisch deutsch. Wo liegen Ihre familiären Wurzeln?

Meine Familie stammt ursprünglich aus Malaysia. Meine Großmutter hatte chinesische Wurzeln, mein Großvater war in der britischen Armee. Um im Militär Karriere zu machen, musste man damals einen englischen Namen annehmen – so entstand der Name Stevenson.

Ich bin in Bayern geboren und in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen, in einem überwiegend englischsprachigen Umfeld. Ich beschreibe das gern als eine bayrisch-asiatische Erziehung – eine Mischung aus chinesischer Improvisationsfreude und deutscher Sorgfalt. Diese Kombination hat mich geprägt und mir früh geholfen, kulturübergreifend zu denken.

Frühe Technik und erste unternehmerische Schritte

Sie sind in den 70er- und 80er-Jahren aufgewachsen. Was hat Sie in dieser Zeit besonders geprägt?

Mich haben die Anfänge des Computerzeitalters fasziniert. In meiner Teenagerzeit hatte ich einen Commodore-Heimcomputer. Auf dem C64 habe ich programmieren gelernt. Für meine Freunde war ich schnell der IT-Boy.

Gemeinsam mit meinem Deutschlehrer entwickelte ich Lernsoftware – Vokabeltrainer und Matheprogramme. Diese haben wir tatsächlich an das Versandhaus Quelle verkauft. Das war für mich ein entscheidender Moment: Ich habe verstanden, dass eigene Ideen einen realen Wert haben können.

Mit vierzehn Jahren haben Sie bereits Ihre erste Firma gegründet.

Das war eine natürliche Entwicklung. Ich war ohnehin ständig am Computer und habe Dinge ausprobiert. Mein Vater sah das kritisch, weil ich mehr Zeit am Rechner als mit Hausaufgaben verbrachte. Aber ich habe damals gemerkt, dass ich durch eigenes Tun sehr viel schneller lerne.

Vom Studium zur unternehmerischen Praxis

Sie haben später Jura und BWL studiert – warum sind Sie dennoch Unternehmer geblieben?

Das Studium war auch ein Stück weit meinem Vater zuliebe. Aber mich hat die praktische Umsetzung immer stärker interessiert als die Theorie. Mich hat die Frage beschäftigt: Wie bringt man eine Idee wirklich in die Realität?

Heute bezeichnen Sie sich als „Experte für Anfänge“. Was bedeutet das konkret?

Das ist eine Erkenntnis aus vielen Jahren. Ich habe gemerkt, dass mich vor allem die frühen Phasen eines Projekts faszinieren. Am Anfang ist alles offen. Es gibt eine Idee, vielleicht eine Vision, aber noch keine festen Strukturen. Genau dort entsteht Dynamik.

Man braucht dafür Risikobereitschaft. Die Möglichkeit zu scheitern darf man nicht verdrängen. Gleichzeitig spielen Fantasie und die Faszination des Neuen eine große Rolle.

Welche Rolle spielen Teams in dieser frühen Phase?

Eine sehr große. Ich habe anfangs den Fehler gemacht, mich mit Menschen zu umgeben, die sehr ähnlich gedacht haben wie ich. One of my tribe. Das fühlt sich zunächst richtig an, ist aber gefährlich. Die eigene Perspektive wird enger. Vielfalt ist entscheidend, weil unterschiedliche Sichtweisen ein Unternehmen stabiler machen.

Gründung als wiederkehrendes Prinzip

Sie haben in vielen Branchen gegründet. Was verbindet diese Projekte?

Wenn ich heute zurückblicke, wirkt das wie ein Kaleidoskop. Ich habe Narkosemittel nach Kolumbien verkauft, Wein nach China exportiert und Beleuchtungskonzepte entwickelt. Der gemeinsame Nenner ist immer die Gründungsphase. Mich reizt der Moment, in dem aus einer Idee etwas entsteht. Diese Phase hat etwas mit Freiheit, Fantasie und Aufbruch zu tun.

Warum ist diese Phase für viele Manager schwierig?

Weil noch nichts vorgegeben ist. Es gibt keine Prozesse, keine festen Strukturen. Man muss definieren, wie Zusammenarbeit funktioniert, wer welche Aufgaben übernimmt und wie Kommunikation abläuft. Das erfordert Flexibilität – und die Bereitschaft, sich ständig auf neue Situationen einzustellen.

Unternehmerische Haltung und persönliche Perspektive

Welche Eigenschaften sind in solchen Situationen entscheidend?

Neben Kreativität und Improvisationsfähigkeit braucht man vor allem ein Grundvertrauen. Man muss akzeptieren, dass nicht alles planbar ist – und gleichzeitig überzeugt sein, dass sich Lösungen finden lassen.

Ich habe mir immer gesagt: Es gibt einen Weg, auch wenn man ihn nicht sofort sieht.

Was hilft Ihnen, Abstand zu gewinnen?

Musik spielt eine große Rolle. Ich habe früher gesungen, unter anderem bei den Regensburger Domspatzen. Heute nutze ich Musik, um nachzudenken. Außerdem habe ich eine kleine Sternwarte auf dem Dach. Der Blick in den Sternenhimmel relativiert vieles. Er hilft, Dinge in einen größeren Zusammenhang zu setzen.